Wenn Feuer die Ernte frisst und Gesetze Bio-Winzer ausbremsen: Nordmazedonische Bauern kämpfen mit Brandkatastrophen, Förderkürzungen und fehlender Kontrolle – und schaffen es trotzdem, hochwertige Bio-Produkte herzustellen. Ein Blick hinter die Kulissen einer Landwirtschaft am Wendepunkt.
Ein Brand mit verheerenden Folgen
Wie schwer kann es sein, Haselnüsse, Mandeln oder Wein anzubauen und in die EU zu importieren? Gar nicht, würde man meinen, wenn man Bauer ist, sein Handwerk versteht und einen verlässlichen Abnehmer hat – wären da nicht Probleme und Hürden, wie sie unsere Partner in Nordmazedonien dieses Jahr heimgesucht haben.
Am schlimmsten hat es Boško Nelkoski erwischt, den Pionier für Bio Haselnüsse des Landes, der uns seit sechs Jahren mit edlen Kernen und wunderbaren Nussmusen beglückt. Trotz großer Hitze und Trockenheit versprach die Ernte der Haselnüsse, die er im ehemaligen Sumpfland vor Struga am Ohridsee anbaut, dieses Jahr hervorragend zu werden. Vor wenigen Wochen, Mitte August, brach jedoch mehr als einen Kilometer von seinen Hainen entfernt ein Feuer aus – und fraß sich in mehreren Tagen durch die Gegend, um schließlich auch seine Haselnusssträucher in Brand zu setzen.
Warum es so weit kommen konnte
Wie konnte es dazu kommen? In den Balkan-Ländern ist es bis heute, trotz gesetzlicher Verbote, üblich, dass Landwirte ihre Getreidefelder nach der Ernte einfach abbrennen. Dies dürfte auch die Ursache für das Feuer in den Vororten von Struga gewesen sein. Warum sich diese Brände, die mehrmals ausbrachen, so weit fortpflanzen konnten, hat jedoch mit den Kanälen zu tun, die sich durch die Ebene ziehen und ursprünglich dafür gedacht waren, Regenwasser in den See abzuleiten. Die kilometerlangen Gräben, vor Jahrzehnten errichtet, wurden in den letzten Jahren vom zuständigen Staatsbetrieb nicht mehr von wucherndem Gestrüpp befreit und waren daher zugewachsen. Die Trockenheit tat ihr Übriges – und die Flammen konnten sich ungehindert durch die Landschaft bahnen.
Es half auch nichts, dass die Nelkoskis einen Streifen ihres Landes vorab von Bewuchs und Nusssträuchern befreiten, um eine Brandschneise zu schaffen. Die Bilanz: Über 1.000 Bäume fielen dem Feuer zum Opfer, die verlorenen Erträge und Kosten für die Neubepflanzung betragen hunderttausende Euro. Eine Strafanzeige wegen fahrlässiger Brandstiftung legte die lokale Staatsanwaltschaft umgehend wegen unbekannter Täterschaft zurück – damit sind unsere Partner mit der Bewältigung des Schadens auf sich allein gestellt.
Förderkürzungen statt Rückenwind
Dabei hatte das Jahr 2025 für die mazedonischen Bio-Pioniere schon nicht gut begonnen: Zunächst wurde bekannt, dass die staatlichen Subventionen für den Anbau von Haselnüssen und Mandeln, die in den letzten Jahren nur 400 Euro je Hektar betrugen, um 50 % gekürzt werden. Damit einher ging auch die automatische Reduktion des Zuschlags für Bio-Anbau, der 70 % auf die Basisförderung beträgt – während der mazedonische Staat gleichzeitig die Förderungen für andere landwirtschaftliche Erzeugnisse wie etwa Tabak erhöhte.
Ohne Kontrollstelle kein Export
Eine weitere Hiobsbotschaft ereilte die Bauern, die sich die mühsame Zusatzarbeit mit der Bio-Zertifizierung nach EU-Standard antun, im Frühjahr: Die einzige in Nordmazedonien ansässige, von der EU für Bio-Kontrolle zugelassene Agentur ließ ihre Akkreditierung mit Ende 2024 auslaufen. Damit waren sämtliche Landwirte und Verarbeiter biologischer Lebensmittel nicht nur von heute auf morgen ohne Kontrollstelle; sie waren eigentlich auch nicht mehr in der Lage, bereits hergestellte Bio-Ware zu exportieren, da jede Lieferung jeweils eigens zertifiziert werden muss.
Manchen Bio-Bauern ist es gelungen, eine Kontrollstelle aus dem Ausland zu beauftragen. Die Kosten für die jährlich erforderliche Prüfung und Zertifizierung haben sich dadurch aber verdoppelt. Andere wiederum konnten nicht rechtzeitig reagieren oder beschlossen, auf die Zertifizierung nach europäischem Standard zu verzichten. Für die zart keimende Bio-Landwirtschaft in Nordmazedonien sind das herbe Rückschläge. Angesichts des landwirtschaftlichen Potenzials des Landes ist dies umso bedauerlicher, als die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln etwa in Deutschland derzeit stark anzieht.
Ein Wein, der nicht Bio heißen darf
Vom Export ihrer großartigen Erzeugnisse können auch die wenigen Biobauern, die sich dem Anbau von Wein verschrieben haben, nur träumen: Zwar hat das Land gesetzliche Regeln für den Anbau von biologischen Weintrauben erlassen – für die Produktion von Wein hingegen fehlen die Vorschriften. Während etwa serbische Bioweine Kultstatus unter LiebhaberInnen von Naturweinen genießen, dürfen die Mazedonier zwar Bio-Wein machen – aber nicht als solchen verkaufen.
Ein Weg mit Hindernissen
Wie es für unsere Partner in den kommenden Jahren weitergeht, ist offen. Klar ist nur: Die Herausforderungen bleiben groß – und die Bio-Landwirtschaft im Land steht an einem Scheideweg. Viel wird davon abhängen, ob Verlässlichkeit und Struktur einkehren – bei den Förderungen ebenso wie in der Zusammenarbeit mit den Kontrollstellen.
Mit Ihrem Kauf von Bio-Produkten aus Nordmazedonien, wie unsere Bio Mandeln, unterstützen Sie Menschen, die trotz aller Widrigkeiten konsequent auf Qualität und Nachhaltigkeit setzen.
Mehr darüber, wie schwierig Bio-Landwirtschaft in Nordmazedonien bzw. am Balkan ist, lesen Sie hier.